Samstag, 23. März 2013

Traumberufe: Ein Geschwistertraum

"Zu viel Nähe? Gibt es bei uns nicht" 

Catharina Bock und Carolin Wolff

Der Hamburger Stadttteil Hochkamp, auch bekannt als DAS Villenviertel in den Elbvororten, präsentierte sich mir in verscheiter Kulisse noch etwas imposanter, als es ohnehin schon ist. Eine pompöse Villa reiht sich- natürlich mit gebührend gewahrtem Abstand- an die nächste und lädt zu feudalen Träumereien ein. Wer hier wohnt, hat die bürgerlichen Reihenhausträume weit hinter sich gelassen und genießt zwischen teuren Designermöbeln und dem schnittigen Sportwagen vor der Tür die angenehmen Seiten des Lebens. Auch Till Schweiger soll es unlängst in das mondäne Viertel verschlagen haben.
                            
In diesem luxusgeschwängerten Ambiente haben auch die Schwestern Catharina Bock (28) und Carolin Wolff (30) ihren beruflichen Traum verwirklicht. Die beiden Mädels sind ein Herz und eine Seele, und daher war es nur folgerichtig, dass sie nicht nur Tür an Tür wohnen, sondern auch arbeiten. Beide haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben der Anderen zu verschönern. Catharina hübscht in ihrem Beauty-Salon "Schöne Maid und Holder Knabe" ihre Kundschaft in wohlfühligem Wellness-Ambiente auf. Unter einem märchenhaften Sternenhimmel kann man sich mal so richtig verwöhnen lassen, beispielsweise mit dem "Dornröschenschlaf", einer kompletten Gesichtsbehandslung inklusive kleinem Tages Make-up. 


Die quirlige Hamburgerin hat hier ihre wahre Berufung gefunden, denn im Auftrag der Schönheit wollte sie schon zu Schulzeiten tätig werden. "Mein großes Vorbild war die Tochter einer Bekannten meiner Mutter. Die war Kosmetikerin und so wunderhübsch, dass ich immer werden wollte, wie sie", erinnert sie sich schmunzelnd. Bis heute weiß die Angeschwärmte nichts davon, dass sie das Leben von Catharina entscheidend mitbestimmt hat. Ganz zielstrebig arbeitete sie nach dem Schulabschluss an ihrem Traum, machte eine Ausbildung zur medizinischen Kosmetikerin und arbeitete unter anderem bei Marlies Möller. Der Sprung in die Selbstständigkeit war ein großes Wagnis, da sie keinerlei Rücklagen hatte. Aber sie kämpfte sich eisern durch und gewann durch Mundpropaganda schließlich mehr und mehr Kunden dazu.


Heute ist sie einfach nur glücklich, wenn sie morgens die Tür zu ihrem eigenen Beauty-Salon aufschließt. "Ich liebe es, den Menschen Gutes zu tun und finde es toll, sie zu verändern", schwärmt sie. Diese spannenden "Vorher-Nachher"-Effekte entschädigen sie auch für kleine Schattenseiten ihres Berufes. "Während der Behandlung soll der Kunde ja entspannen, und das stundenlange Schweigen bei Kerzenlicht und Trance-Musik ist richtig ungewohnt für mich. Dann komme ich abends zu meinem Mann nach Hause und quatsche ihn erst mal voll, weil ich so einen Redebedarf habe". Kaum vorstellbar, dass diese lebhafte Frohnatur still schweigend vor sich hinarbeitet.

Die Einrichtung ihres stilvollen Kosmetikstudios stammt übrigens von ihrer Schwester Carolin, die als Interior-Designerin arbeitet. "Ganz wichtig war mir, dass nicht alles so plüschig, wohlmöglich noch in kitschigen Pinktönen ist, denn immerhin sollen sich auch die Männer hier wohlfühlen", betont Catharina.


Carolin Wolff hat ihren Showroom direkt neben dem Salon ihrer Schwester und schaut oft auf einen Kaffee oder einen kleinen Plausch vorbei. Auch sie hat ein kreatives Händchen und ist im Auftrag der Schönheit unterwegs. Währen Catharina am Menschen selbst arbeitet, kümmert sich Carolin um das entsprechend geschmackvolle "Drumherum". Die gelernte Interior Designerin gestaltet Wohnräume neu, und dazu gehört weitaus mehr, als à la Tine Wittler eine Großbestellung bei Ikea aufzugeben und ein paar Kissen und Windlichter zu arrangieren. Gerade der handwerkliche Teil liegt der zupackfreudigen Blondine besonders: "Ich bin unheimlich gern bei den Handwerkern dabei, beispielsweise, wenn Wände herausgerissen oder Böden verlegt werden. Das hat einfach etwas Handfestes." Bis es ans finale Dekorieren geht, muss viel Vorarbeit geleistet werden. Da werden immer wieder Skizzen in Absprache mit den Kunden erstellt, Farb- und Materialkonzepte gemacht, Grundrisse umgestellt und natürlich auch die Kosten kalkuliert.



Auch für sie hat sich der Schritt in die Selbstständigkeit gelohnt, selbst wenn es zunächst der berühmte "Sprung ins kalte Wasser" war. Aber ihr Mut zum Risiko hat sich ausgezahlt. 




Eine gewisse Vorliebe für den skandinavischen Landhaus-Stil scheint bei Carolins Arbeit erkennbar: Viel Pastelltöne, Möbel in Weiß und Creme, dazwischen ein bisschen Vintage-Dekoration. Fließt da etwa auch der persönliche Geschmack mit ein? "Ganz ehrlich, ich habe noch nie ein Haus eingerichtet, in dem ich selber wohnen möchte", lacht sie. Privat liebt sie es klassisch und  geradlinig, so eine Art "moderner belgisch-holländischer Landhaussstil". 



Ihren Zukunfstraum, den stellen sich beide Schwestern ganz ähnlich vor. Sie möchten sich so lange wie möglich in ihrem derzeitigen Job kreativ austoben und immer nah beieinander sein. Übrigens, letztes Jahr im Sommer haben beide Frauen geheiratet. Schön, wenn das private und berufliche Glück so einfach zu kombinieren ist.

Lieben Dank an Euch beide für das tolle Gespräch! Übrigens wurde mir bei "Schöne Maid und Holder Knabe" noch eine tolle Shellac-Maniküre verpasst. Mehr darüber erfahrt Ihr demnächst.

5 Kommentare:

  1. Sieht sooo toll aus! Ich bin immer begeistert von solchen Geschäftsideen und Selbstverwirklichungen. Wahrscheinlich weiß ich weiß, dass ich nie den Mumm dazu haben werde.

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    1. Dooooch, das könntest Du auch! Man muß nur an sich glauben und ein bisschen Mut haben ;-)

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  2. ich war letztes jahr in hamburg, aber da habe ich mir nur die standardtoursistensachen angeschaut. hast du dich schon gut eingelebt oder bist du wieder weitergezogen? ich finde deine portraits sehr schön geschrieben.

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    1. Oh, das nächste Mal sagst du aber Bescheid, wenn du in Hamburg bist ;-). Ja, habe mich wirklich gut eingelebt und viele schöne Ecken entdeckt. Aber da gibt es bestimmt noch gaanz viel, was ich bisher noch nicht gesehen habe... Also bis bald in HH ;-)

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  3. Der Hamburger Stadttteil Hochkamp, auch bekannt als DAS Villenviertel in den Elbvororten, präsentierte sich mir in verscheiter Kulisse noch etwas imposanter, als es ohnehin schon ist. Eine pompöse Villa reiht sich- natürlich mit gebührend gewahrtem Abstand- an die nächste und lädt zu feudalen Träumereien ein. Wer hier wohnt, hat die bürgerlichen Reihenhausträume weit hinter sich gelassen und genießt zwischen teuren Designermöbeln und dem schnittigen Sportwagen vor der Tür die angenehmen Seiten des Lebens. Auch Till Schweiger soll es unlängst in das mondäne Viertel verschlagen haben.

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