Sonntag, 12. August 2012

Der Fall Silvia Seidel

Neben all' den Shopping- und Beauty-Themen schmuggelt sich nun schon mein zweiter 'Silvia Seidel'-Post auf meinen Blog! Ein sicherlich skurril anmutender Themen-Mix, aber das Schicksal der zarten Schauspielerin, die einst so bewundert und gefeiert wurde (auch von mir), hat mich tief bewegt. 


Vielleicht, weil ich hier nicht nur einen traurigen Einzelfall erkennen kann, sondern einige 'Untugenden' wiederfinde, die sich leider viel zu oft in das Leben schleichen und welche mir selbst tagtäglich begegnen: Ignoranz und Doppelmoral, gepaart mit heuchlerischer Anteilnahme.

Im Zeitalter von Facebook, wo 'Freunde' gesammelt werden wie die Kamelle zu Karneval, wo virtuelle Chats reale Begegnungen ersetzen und wo bereits junge Mädchen ihre Probleme lieber in anonymen Online-Foren besprechen, als sich ihrer Familie oder engen Freunden anzuvertrauen, scheint es immer schwieriger zu werden, echte Beziehungen mit Substanz und Tiefe aufzubauen. 

'Masse statt Klasse', das scheint das Prinzip der Neuzeit zu sein, und echte Herzensbindungen werden durch oberflächliche Kontakte ersetzt, die gerade in Krisenfällen keinen Bestand mehr zu haben scheinen.

Im Fall Silvia Seidel, die sich in ihrer Biografie 'Anna und Ich' als schüchternes Mädchen, die eher kontaktscheu war und auch in der Schule nur schwer Anschluss fand, beschrieb, ist der hohe Fall von der mit Aufmerksamkeit überhäuften Film-Ballerina Anna zur unbemerkten Theater-Schauspielerin besonders tragisch. Zu viel Bewunderung, die eine nach Liebe dürstende Seele möglicherweise zu gierig aufgesogen hat, ohne zu erkennen, dass mit dem Schwinden der Popularität auch die Anerkennung und die vielen plötzlich geschlossenen 'Freundschaften' verblassen.


Dass Seidels engste Vertraute zuletzt ihre Kneipenwirtin war, bei der sie regelmäßig ihren Kummer mit Bier und Schnaps zu ertränken versuchte, ist bezeichnend. Dass weder ihr langjähriger Lebenspartner, der sich angeblich wegen ihren Depressionen von ihr trennte, noch Filmpartner wie Patrick Bach oder Kollegen wie Justus Pfaue (Drehbuchautor und Erfinder von 'Anna') auf ihrer Beerdigung erschienen, ist erschreckend. Immerhin machte sich gerade der mittlerweile 70-jährige Pfaue scheinbar schwere Vorwürfe und klagte bei der B.Z.: "Jemand hätte fragen sollen, wie es ihr geht. Dafür schäme ich mich heute: Dieser Jemand hätte ich sein können." Für einen kurzen Besuch bei ihrer Grabstätte reichten die Selbstvorwürfe wohl aber doch nicht aus.

Und so wurde in einer gerade mal zwölfminütigen Trauerfeier im Kreise von acht (!) Anwesenden der  tragisch und viel zu früh verstorbenen Schauspielerin gedacht. Ein armseliges Ende für einen einst so hochgelobten Star, der die Kino-Kassen sicherlich ebenso gut gefüllt hat, wie die Kassen vieler Ballett-Studios und Tanzschulen.

Kommentare:

  1. angeblich waren kollegen und freunde bei der trauerfeier nicht erwünscht. als mein opa gestorben ist, hat meine familie auch eine intime runde gewünscht - so war nur der engste kreis bei der bestattung dabei (=wirklich nur familie). im fall von silvia - sie war sicherlich bis zuletzt ein einsamer mensch und hat bestimmt mit sich selbst gekämpft. freundschaften pflegen muss man aber auch selbst wollen - da gehören immer 2 parteien dazu.

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  2. Ich hab' da viel Widersprüchliches gelesen. Angeblich ist aus Silvias Familienkreis ja nur noch der Halbbruder übrig, der auch die Trauerfeier organisiert haben soll. Die acht Gäste sollen enge Freunde und sogar ein Fan gewesen sein... Trotz aller Unklarheiten ein sehr unwürdiger Abschied!
    Sich um Freunschaften zu bemühen ist sicherlich sehr schwer, wenn man als depressiver Mensch eher die Tendenz hat, sich zurückzuziehen... Aber grundsätzlich hast du sicherlich Recht!

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  3. Hab leider schon ab dem facebook Teil aufgehört zu lesen, ist ja wirklich unglaublich^^ Da merkt man mal, was für einen Eindruck ältere Menschen (nicht so gemeint ;)) von dem Netzwerk haben. Totale Fehleinschätzung. Und gerade in so einem Post, der eigentlich recht empirisch wirken sollte, finde ich eine Übertreibung wirklich fehlplatziert.
    Lg, eines der Teenager Mädchen die nur noch oberflächliche Freunde (davon aber 5000) haben. Not.

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  4. Glückwunsch, dass du es tatsächlich schaffst, 5000 'Freundschaften' sorgfältig zu pflegen! Ich wage aber mal zu behaupten- ohne empirische Studien zu bemühen- dass du da eher ein absoluter Einzelfall sein dürftest!
    Liebe Grüsse*

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  5. Ich finde du hasst die Aussage vonwegen Facebook föllig zurecht gemacht. Ich (19 von wegen alt) habe zwar Facebook aber ich habe lieber fünf echte Freunde als meine 170 Facebook-Freunde. Ihnen kann ich mich anvertrauen und bei Problemen mich immer an sie wenden. Und sind wir doch mal ehrlich, wir lernen über Chats zu kommunizieren und andere bei heiklen Themen übers internet oder SMS zu kontaktieren als persönlich, was ich schade finde. Gewissen Gesprächen muss man sich auch mal stellen und kann sich nicht immer davor drücken.

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  6. Genau so sehe ich das auch!! Danke dir ;-).

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  7. Erst heute beim Friseur hab ich einen Artikel über das tragische Schicksal von Silvia Seidel gelesen und war schon ein wenig betroffen.
    Es ist schlimm, dass wenn man Erfolg hat, die Freunde scharenweise kommen und wenn der Erfolg dann geht, gehen die angeblichen Freunde mit.
    Ich glaube, wirklich gute Freunde hat man wenige, die anderen sind mehr oder weniger flüchtige Bekannte. Es ist nur schön, wenn man das unterscheiden kann.

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  8. Ja, das muss man oft erst mal schmerzlich lernen! Wirkliche Freunde zu haben, auf die man auch in der Not immer zählen kann, ist auf jeden Fall sehr wertvoll. Und hier zählt ganz einfach Qualität vor Quantität!

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